Geschichte

Vom Trachtenkleid zum Trachtenchor

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg fristete das Trachtenkleid im Entlebuch ein eher kümmerliches Dasein. Als dann 1924 die Jodlergruppe Zihlmann anlässlich des Katholikentages in Basel auftrat, sollte sie von Trachtenfrauen begleitet werden. Mit grösster Mühe konnten aus verschiedenen Einzelstücken drei, allerdings reichlich unbequeme, Trachten zusammengesetzt werden. Diese Mangelsituation löste dann Wecksignale aus, und führende Männer aus dem Historischen Verein Amt Entlebuch begannen in Estrichen und Schatzkästen zu stöbern. Man forschte im Staatsarchiv, liess Entwürfe anfertigen, setzte Schneiderinnen ein, und in Kürze entstand ein neues Trachtenkleid, das die Frauen faszinierte.
Dieser Aufwind stärkte auch das Gemeinschaftsbewusstsein. Das führte 1934 zur Gründung der Trachtengruppe Schüpfheim. Massgeblich am Zustandekommen beteiligt war, neben den Herren Emil Emmenegger Schüpfheim und Otto Studer Escholzmatt den Mitgliedern der kantonalen Trachtenvereinigung, auch Marie Emmenegger-Schmid. Nach der Gründung 1934 wurde der Chor ein Jahr später anlässlich des Kantonalen Trachtentages in Sempach in die Kantonale Trachtenvereinigung aufgenommen.

                                                                                   Bild aus der Gründungszeit
Am Anfang wurden einfache Volkslieder gesungen. Eine bunte Trachtenschar ohne Volkslied, so schrieb der langjährige Direktor Franz Zemp, ist wie eine schmucke Kirche ohne Glocken. 1939 trat der Chor mit dem Jodlerklub und dem Stradellaclub zum ersten Mal mit grossem Erfolg vor die Öffentlichkeit. Die Kriegsjahre legten darauf das Vereinsleben weitgehend lahm, bis 1943 der erste Amtstrachtentag ins Leben gerufen wurde, ebenfalls präsidiert von der Frau Regierungsrat. Zu diesen Amtstrachtentagen fuhr man mit Pferd und Wagen zum Restaurant Bad in Schüpfheim. Im selben Jahr wurde Frau Balmer-Wicki Präsidentin. Nach vier Jahren leitete Anna Studer das Vereinsschiff. Im gleichen Jahr wurde auch die Volkstanzgruppe gegründet. 1977 löste sich die Tanzgruppe von der Trachtengruppe und gründete einen eigenen Verein.

Mit dem Chor, der vom Jahre 1954 an unter dem Präsidium von Maria Schnider-Teuffer stand, machte man sehr viele Radioaufnahmen. So auch im Jahr 1955 für eine Sendung unter dem Motto „Schüpfheim im Entlebuch musiziert." Mitgemacht haben damals auch die Musikgesellschaft, der Jodlerklub und ein Schülerchor. 1963 löste Gretli Felder, Maria Schnider als Präsidentin ab und führte den Verein bis 1975. Helen Zihlmann übernahm anschliessend das Ruder des Vereinsschiffs für 10 Jahre. Von 1968 bis 1980 stand der Chor unter der Direktorin von Maria Schnider- Teuffer. Im Jahr 1975 wurde die Kindertanzgruppe ins Leben gerufen von Vreny Alessandri . Neben allen Aktivitäten hatte immer das Trachtengewand eine grosse Bedeutung. Das Interesse war gross als Frau Kaufmann von Escholzmatt einen Trachtennähkurs durchführte, an dem 10 Frauen aus dem Chor teilnahmen. Stolz präsentierten sie die Festtagstracht auf vielen Fotos und bei Auftritten.


 Konzert 1984 beim 50-Jahr Jubiläum

Als 1980 Vreny Alessandri die Direktion übernahm, wurde dem Jodellied mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Es gab vermehrte Auftritte und Engagements und der Trachtenchor erhielt ein völlig neues Gesicht. Zum 50-jährigem Jubiläum hatte der Chor den Mut, selber ein Konzert durchzuführen. Seither findet jedes zweite Jahr ein Konzert statt. Im Jahr 1985 fand man in Hedy Unternährer eine initiative spritzige Präsidentin, die 14 Jahre lang für das Wohl des Chors besorgt war. Von 1999 bis 2005 waltete Trudy Balmer als tüchtige und sehr kollegiale Präsidentin. In den vielen Jahren wurde immer die Fröhlichkeit und Gemütlichkeit gepflegt. Auch die Reisen sind besonders gute Erinnerungen. Schon in der alten Chronik wird von der Reise ins Tessin erzählt und dem Hotel mit den schwimmenden Teppichen. Der Tag an der Mosel, als Petrus den „Rhein in Flammen" löschte, Rüschel am Meter in Zell am Ziller oder Reisen ins Berner Oberland bleiben unvergessen.
Der Trachtenchor hatte aber nicht nur Flausen im Kopf, sondern nahm Auftritte wie an der Comptoir 1983, an der Olma oder an der Luga sehr ernst. An der Eröffnung der BEA war der Chor dreimal dabei, einmal ergatterte der Trachtenchor sogar den ersten Rang am Volksmusikfestival. Auch an der EXPO 2002 war man in Neuenburg einen ganzen Tag im Einsatz.
Vreny Alessandri produzierte mit dem Chor zwei Tonträger. 1989 die LP „Bärgwält" und 2000 die CD „Zum Jubiläum". Der zweite Tonträger war zu ihrem 20-jährigen Dirigentenjubiläum. Unzählige Auftritte im In- und Ausland konnte der Chor dank ihren Beziehungen realisieren. Aus Dankbarkeit wurde sie an der GV 2002 zur Ehrendirektorin gewählt. Im gleichen Jahr wurden unter der Präsidentin Trudy Balmer neue Statuten geschaffen, welche die aus dem Jahr 1934 ersetzten.
Seit vielen Jahren bewirtet der Trachtenchor am Fasnachtssonntag die Fasnächtler sowie die Zuschauer im Pfarreiheim. Jedes Jahr an der Alpabfahrt verwöhnt der Chor die vielen Schaulustigen. 2005 übergab Trudy Balmer das Präsidium an Manuela Zuppiger-Aregger. Ihr Organisationstalent und die vielen guten Ideen konnte sie gut im Vorstand einsetzen. Seit 2010 ist Bernadette Emmenegger-Achermann die neue Präsidentin. Mit viel Herzblut erreichte sie schon viele positive Veränderungen in unserem aktiven Vereinsleben.
2013 übergab Vreny Alessandri die Direktion an Irma Céspedes –Bucher aus Schachen. Mit viel Fachwissen und grosser Leidenschaft übt Irma mit uns neue Jodellieder und Naturjutze ein.
Auf vielseitigen Wunsch der aktiven Vereinsmitglieder wurde im Jahr 2014 einen Wechsel von der Trachtenvereinigung in den Zentralschweizerischen Jodlerverband (ZSJV) gewünscht. Im November 2014 wurde der Trachtenchor in die Entlebucher Jodlervereinigung und im Januar 2015 in Wollerau in den ZSJV aufgenommen.